Wegweiser Jakobsmuschel

Jakobsweg - eine Pilgerreise
Dr. Ernst JANKO  Landesschulratsdirektor a. D.

Wegweiser Jakobsmuschel

Die Reiseroute:
BILBAO - SANTANDER - OVIEDO - GIJON - RIBADEO - VILALBA - ARZUA - SANTIAGO DE COMPOSTELA   -   FINISTERRE   -   vom 16. 5. - 19. 6. 2002

Meine dritte Fußpilgerschaft führte mich von Bilbao die nordspanische Küste entlang bis Ribadeo, dann durch Galicien nach Santiago (ca. 600 km) und weiter nach Finisterre (ca. 100 km).

Dieser Bericht enthält Angaben über Reiseroute, Etappenziele, Übernachtungsmöglichkeiten, Gepäck und Ausrüstung ohne Anspruch auf Vollständigkeit und erzählt das eine oder andere besondere Ereignis. Ich möchte meine Erfahrungen anbieten. Die persönliche Bereicherung ist für jeden Pilger groß, aber unterschiedlich, meine möchte ich daher für mich behalten.

Ausrüstung und Vorbereitung:
Die Jakobswegführer beschreiben nicht nur den Pilgerweg, sondern informieren  auch über Ausrüstung, Sprache, Ernährung etc. Hier noch einige Ergänzungen:

Rucksack: 65 Liter, Gewicht gepackt: 9 kg plus Essen und Trinken. Vorteilhaft sind (auch montierbare) Außentaschen für Sachen, die man ohne Öffnen des Rucksackes rasch zur Hand haben will (Verpflegung, Getränk, Regenschutz).

Nichts „Für den Fall, dass …“ von zu Hause mitnehmen. Man kommt in der Regel täglich an Geschäften vorbei. Man  sollte sich aber in der Apotheke über die Zusammensetzung von „Für den Fall, dass …“-Medikamenten erkundigen und/oder Beipackzettel mitnehmen.

Beim Kauf der Ausrüstung auf das Gewicht achten (besonders beim Schlafsack) und an die Reinigung denken (Funktionswäsche). Mehrfachnutzung überlegen: z.B. lange Unterhose = Pyjamahose = tragbar bei Regen unter Regenhose, bei Kälte unter Wanderhose.

Fußpflege: (Profi)Pediküre und ab 1 Woche vor Beginn der Wanderung täglich abends Salbung mit Hirschtalg oder Melkfett (Schlafsack mit Socken).

An- und Rückreise:
Anreise:             Flug: München – Barcelona - Bilbao.
Rückreise:          Bus: Santiago - Flughafen Lavacola.
                        Flug: Santiago - Barcelona - München.

Messer und Stöcke durften bereits 2002 nicht ins Flugzeug. Rucksack und Stöcke wurden bei der Hinreise als Sperrgut in einem großen Plastiksack befördert.

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Die Pilgerschaft:
Vom Flughafen Bilbao mit dem Biskai-Bus ca. eine halbe Stunde in die Stadt. Mit Linie 58 zur Jugendherberge Albergue Aterpetxea, Castrejana 70, die neben einer stark befahrenen Strasse liegt. Frühstück, Mittag- und Abendessen im Hause möglich. Stadtbesichtigung mit Jakobskathedrale und Guggenheimmuseum. Stadtein- und -ausfahrten legte ich grundsätzlich mit dem Bus zurück.

  Mein Marsch begann daher in Santurutzi und endete am ersten Tag in Castro Urdiales Städtische Herberge in einem Sportzentrum.
Der Camino verläuft meist nicht unmittelbar an der kurvigen Küste, sondern eher in gerader Richtung etwas weg vom Meer
 
Guggenheimmuseum
   
Castro Urdiales

Übernachtung im mondänen Badeort Laredo: Albergue El Buen Pastor.

  Am Ende von Laredo setzt man mit einer Fähre nach Santona über. Am ca. dreistündigen Weg um den Buciero traf ich eine baskische Wandergruppe.  
Badeort Laredo
     
Baskische Wandergruppe

  Dann stieg ich 700 Stufen hinunter zum Faro Caballo und auch wieder hinauf! Den Rucksack habe ich oben beim Einstieg aber zurückgelassen.

Zu den herrlichen Stränden von Berria und Trengandin kann man auch ohne Umrundung des Buciero kommen.
 
Faro Caballo
 
 
Strände von Berria

Übernachtung in Isla. Die Besitzer der Casa Manuel (Tel. 942679611) sind Jakobspilger. Ich wurde so verwöhnt, dass ich meinen ersten Ruhetag einlegte. An diesem Tag traf ich den ersten von insgesamt zwei Pilgern entlang der ganzen Nordküste. Am Pfingstmontag übernachtete ich in Santander im sehr schönen Refugio (hinter der Kathedrale).

Santander
  Da ich in Liencres kein Quartier bekam, fuhr ich mit dem Bus wieder zurück nach Santander und übernachtete nochmals allein im Refugio. Liencres – Santillana war von Regengüssen begleitet.  
     
Santillana

Die Stiftskirche Santa Juliana ist ein Muss. Die weltberühmten Altamirahöhlen habe ich wegen der Wartezeiten nicht besichtigt. Nächtigung in einer Posada: € 25,- für Doppelzimmer, auch wenn einzeln belegt. Zum letzten Mal folgte ich meinem Reiseführer – der ca 7 km Abzweiger bei Orena war zwar schön, aber er führte nicht zu, sondern im weiten Bogen um eine romanische Kirche wieder an das Ortsende von Orena. Ab jetzt ging ich den „Original-Camino“ und stellte fest, dass dieser gut markiert war. In San Vicente übernachtete ich im Zweibett-Refugio bei der romanischen Kirche Santa Maria de los Angeles am Altstadthügel.

  Am nächsten Tag traf ich unterwegs Peter wieder. Wir gingen gemeinsam bis Unquera und fuhren mit dem Bus zu den Picos de Europa nach Potes. Er zeltete am Campingplatz, ich übernachtete im Hotel. Die Picos waren wolkenverhangen, wir wanderten zum Kloster Santo Toribio de Liebana (größte Kreuzreliquie) und erholten uns.  
San Vicente
     
Santo Toribio de Liebana

Am nächsten Morgen fuhren wir durch die Hermida-Schlucht zurück nach Unquera und gingen noch bis San Roque del Acebal. Übernachtung im Hostal Europa (€ 18 für sehr schönes Doppelzimmer mit Bad). Der Seniorchef Don Leon ist Vorsitzender  des Jakobusvereins von Llanes. In Pineres erlebten wir die erste Enttäuschung. Die schöne Herberge war versperrt, an der Tür hing ein Zettel mit der Tel. Nr. von Don Leon. In der Umgebung gab es aber kein Telefon. Wir zogen weiter nach San Esteban, wo die Herberge ebenfalls geschlossen war. Es ist zu empfehlen, die Übernachtungen in dieser Region mit Don Leon festzulegen. Ich ärgerte mich so, dass im Hostal El Pilar in Ribadesella mein Kreislauf streikte.

  Peter zog weiter, ich blieb noch einen Tag, besichtigte bei leichtem Regen die Stadt und die sehenswerte Höhle Tito Bustillo (Felszeichnungen). In Sebrayo war ich allein im schönen Refugio. Am 30. Mai wanderte ich über Villaviciosa zum Zisterzienserkloster Valdedios (im Garten die romanische Kirche San Salvador.  
Ribadesella
     
San Salvador

In der Herberge funktionierte das Warmwasser nicht, ich bekam ein Zimmer im Konvent und war 16 Stunden „Mönch“. Es waren die eindruckvollsten Stunden am Camino. Der nächste Tag war der schwierigste. Es war dichter Nebel, der Camino wurde nach Ambas zum Pfad und die Vegetation in einem Hohlweg immer dichter, sodass fast kein Durchkommen war. Ich wusste nicht, wann der Weg wieder begehbar wird, und habe mich entschlossen, nicht umzukehren. Nach dem Hohlweg gab es keine Markierung, durch den Nebel war auch eine Orientierung nicht möglich. Ich kletterte über eine Stacheldrahtabsperrung und war dann auf einem Karrenweg, auf dem ich nach Arbazal kam. Ich war von innen und außen durchnässt, meine Schuhe waren voller Wasser, einige Nähte aufgerissen. Auf Hilfe brauchte ich aber nicht lange warten. Aus dem Haus neben der Kirche trat ein älterer Herr, dem ich „aqua por favor“ zurief. Er kam mit einem Glas, ich wollte aber Wasser zum Sockenwaschen. Ohne Spanisch konnte ich aber nur „mit Händen und Füssen“ reden. Seine Frau sagte fragend „Zentrifuga“ und ich hatte Waschtag. Die Waschzeit verging bei Sidra und Tapas – spanische Gastfreundschaft pur. Nach dem Alto de Campa besserte sich das Wetter und ich konnte im Refugio Vega de Sariego bei Sonne meine Wäsche trocknen. In Oviedo war es sehr heiß.

  Ich entschloss mich, nicht am Camino primitivo zu bleiben, sondern nach Gijon zu fahren und wegen der angenehmen Seeluft den Norte weiterzugehen. In Gijon leichter Regen – Ruhetag mit Stadtbesichtigung und Planung des Norte bis Ribadeo. Wegen des Schlecht- wetters musste ich bis Aviles die Strasse benutzen. Bei einem Schuster ließ ich meine zerrissenen Schuhe nähen. Auf die Frage „cuanto cuesta“ gab es ein „para te, peregrino“ als Antwort.  
Oviedo
   
Gijon

Im Refugio traf ich ein französisches Ehepaar, das mit seinem Tandem bereits am Rückweg von Santiago war. Im Refugio von Soto de Luina traf ich den Spanier Oskar, mit dem ich zwei Tage gemeinsam ging. Ab Luarca regnete es in Strömen.

  Wir kauften uns jeder einen großen Schirm. Wir dachten „nothing can stop us now“, hatten aber mit dem Wind nicht gerechnet, der uns die Schirme einige Male umdrehte. Wegen des Regens wurde bis Pinera die Landstrasse zum Camino. Oskar musste an einem bestimmten Tag in Santiago sein, und ich blieb in Pinera zurück. In Tapia liegt die Herberge direkt am Strand. Ich wollte baden gehen, es wurde aber nur ein Fußbad.  
Luarca
   
Pinera

Am 8. 6. wanderte ich über Ribadeo dann leider zu weit dem Meer entlang bis San Cosme. Da es stark regnete, fuhr ich mit dem Bus bis Vilanova, weil ich - leider vergebens - hoffte, Oskar wieder zu treffen

 
Ich besuchte die Kirche, ging Abendessen und war allein in der ausgezeichneten Herberge in Vilanova
 
Ribadeo
     
Herberge in Vilanova

Am 9. 6. ging es weiter nach Mondonedo (Besichtigung der Kirche mit den mittelalterlichen Fresken), am Abend war ich in Abadin.

 
Das Refugio war ein Turnsaal ohne Matte. Ich blieb daher im Hostal. Am 10. 6. bis Villalba mit Stadtbesichtigung, wieder allein im sehr schönen Refugio.
 
Fresken Mondonedo
     
Villalba

In Baamonde hatte ich ein besonderes Erlebnis: Als ich vom Abendessen zurück ins Refugio kam, war ein Holländer hier. Zunächst freute ich mich, dass ich Gesellschaft bekommen habe. Als ich dann aber feststellte, dass er kein Pilger, sondern ein Landstreicher war, ja dass er sogar ein Krimineller sein könnte, war es mit der Freude vorbei.

  Ich übersiedelte mit meinen Sachen ins Obergeschoss und konnte bis drei Uhr früh nicht schlafen. Als ich um acht Uhr aufwachte, ging er schon vor der Herberge auf und ab und war dann nicht mehr zu sehen. Ich war froh, dass ich noch alle Sachen hatte. Am 12. 6. ging ich zunächst bis Miraz, war bereits vor Mittag hier und wollte im Refugio übernachten. Zu Mittag habe ich in der Bar im Kreise der Wirtsfamilie gegessen und ferngesehen (Fußball-WM Spanien - ?). Spanien führte und ich habe viel Wein und Uva getrunken.  
Baamonde
   
Miraz

Man sagte mir, dass es bis Sobrado nur 20 km wären. Ich wurde leichtsinnig und bin zur Halbzeit (14.30 Uhr) aufgebrochen. Es war heiß, als ich durch diese baumlose „Wüste“ ohne Häuser ging. Der eine Liter Wasser war bald getrunken und zum Essen hatte ich nichts mitgenommen (mein Marathon laufender Arzt hatte mir geraten, alle 30 Minuten etwas zu trinken und alle zwei Stunden eine Kleinigkeit zu essen). Mit den letzten Kräften kam ich um 21.30 Uhr im Refugio des Klosters Sobrado an. Leider habe ich am 13. 6. die Abzweigung nach Santa Irene nicht gefunden und bin nach Arzua am Camino francaises gekommen.

  Dort traf ich eine Menge Pilger – auch Österreicher. Am 14. 6. übernachtete ich im Hostal O Pino, ging ohne Gepäck noch bis Lavacola und fuhr mit dem Auto ins Hostal zurück. Am 15. 6. musste ich daher nur mehr 8 km gehen und kam ausgeruht in Santiago an.  
Sobrado
     
Santiago

Da ich schon das 3. Mal nach Santiago gepilgert war, waren die Zeremonien in der Kathedrale nicht mehr so berührend.

 
 
Die Zeremonien in der Kathedrale

Die Urkunde (Compostela) bekam ich im Pilgerbüro. Ich übernachtete im Hostal Fornos auf der Plaza Galicia, wo ich einen Teil meines Gepäcks deponierte. Da meine Freunde, mit denen ich zurückfliegen wollte, noch eine Woche zu gehen hatten, machte ich mich am 16. 6. nach der Pilgermesse (täglich um 12 Uhr in der Kathedrale) auf nach Finisterre. Dieser Weg war für mich deshalb so schön, weil ich wieder Gemeinschaft erleben durfte. Ua waren je ein Südafrikaner, Luxemburger, Schwede, Franzose, eine Deutsche und zwei Kanadierinnen in der Gruppe. Wir übernachteten in Negreira, Oveira und Cee im Refugio. Am19. 6. kamen wir in Finisterre an, bekamen als Fußpilger im Refugio eine schöne Urkunde, gingen baden, sammelten und aßen Jakobsmuscheln und erlebten einen herrlichen Sonnenuntergang.

   
Pilgerbüro
Finisterre
 
Jakobsmuscheln
 
       
 
Sonnenuntergang
     

Am 21. 6. traf ich meine Freunde in Santiago, am 23. 6. flogen wir nach Hause.

Ich kann außer einigen Phrasen kein Spanisch, ein wenig Englisch, hatte ab Oviedo kein Handbuch, ging fast immer allein, hatte mehrfach meinen inneren Schweinehund zu bekämpfen  und kam mit 65 Jahren trotzdem wohlbehalten ans Ziel. Ultrea.

Zur Person:  
Dr. Ernst JANKO pilgerte insgesamt 5 mal zu Fuß nach Santiago de Compostela und zwar:
1997 von Saint Jean Pied de Port
1999 vom Somportpass
2002 von Bilbao
2005 von Vorderweißenbach
2007 von Sevilla

Wenn dieser kurze Reisebericht und die starken Bilder ihr Interesse geweckt hat, mailen Mail to Wir Landespensionisten sie uns, wir leiten gerne ihre Anfrage an Dr. Ernst JANKO weiter!

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